Mit dem Strom

Über das Reisen auf dem Fluss

Eine Flussreise bietet immer in besonderer Weise Gelegenheit ein Land kennen zu lernen. Zumeist betritt man dabei jene Wege, die abseits der ausgetrampelten Touristenpfade verlaufen. Derart abwegiges Terrain führt zu neuen Perspektiven und einem andern Blick auf das bereiste Land. Jede ausgespülte Flussböschung offenbart den Charakter einer Landschaft und ihrer Bewohner. In jedem stillen Altarm verbirgt sich eine Geschichte und in den großen und kleinen Mäandern des Flusslaufs spiegelt sich das Leben wieder.

Inbegriff des Lebens

Überhaupt ist der Fluss der symbolische Inbegriff des Lebens. Neu geboren tritt er ans Tageslicht und tastet sich in Rinnsalen sachte in die Welt vor. In ungestümer Jugend reibt er sich tosend an Felsen und jagt zu Tale. Allmählich legt sich seine Unruhe und er windet sich Lebenslinien gleich in Mäandern durchs Land. Zuletzt schon träge geworden, weicht er kaum noch von seinem Kurs ab und strebt dem ewigen Meer entgegen. Alles ist im Fluss und wiederholt sich ständig aufs Neue. An den Ufern haben sich Menschen niedergelassen. Die meisten Weltstädte sind an den Ufern von Flüssen und Meeren gewachsen. Die Menschen siedelten dort, weil der Fluss ihnen Schutz bieten und sie ernähren konnte, und wo ein Hafen oder eine Furt liegt, dort floriert seit jeher der Handel.

Be/Erfahrung

Es ist eine spezielle Art des Reisens, auf einem Fluss entlang zu gleiten. Mit seiner glatten Oberfläche wirkt er wie eine Straße. Manchmal ist diese Straße auch uneben und holprig. Der Fluss gibt den Weg vor. Auf ihm unterwegs zu sein, bedeutet etwas anderes als distanziertes Beobachten. Eine Wasserwanderung ist nie nur eine Befahrung, sondern vor allem eine Erfahrung. Man erlebt das bereiste Land; es graviert sich mit jeder Flusswindung tief und unauslöschlich ins eigene Ich ein.

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