Radsportlich?

Vorsicht Radfahrer! Auf Kollisionskurs

Radfahren ist ein Kampfsport. Diesen Eindruck muss man zumindest bekommen, wenn man sich einmal auf deutschen Radwegen umschaut. Verbissene Mienen, grimmige Gesichter und Drohgebärden – das alles kann man jeden Tag auf unseren Radwegen Tag erleben.Wenn Deutschlands Radwege zunehmend von Personen bevölkert werden, die das Radfahren vor allem als Wettbewerb verstehen und den Radweg als ihre Profilierungszone nutzen, dann wird’s schnell unsportlich. Mit rücksichtslosem Selbstdarstellungstrieb wird von „Radsportlern“alles vom Asphalt gefegt, was dem Egotrip im Wege steht.

Überholmanöver aus dem Hinterhalt

Andere Radfahrer werden dann schnell als potentielle Gegner identifiziert und jeder Überholvorgang wird wie ein Gefecht ausgetragen. Da kann es passieren, dass man unversehens in bedenkliche Situationen gebracht wird. So zum Beispiel bei waghalsigen Überholmanövern aus dem Hinterhalt, wenn der Überholende fast in den Gegenverkehr oder ins nächste parkende Auto demmelt. Ebenso muss jeder jederzeit damit rechnen, dass ihm plötzlich ein Falschfahrer entgegenkommt, der sich bei seinem Überholmanöver mal wieder maßlos überschätzt hat und sich nun geradewegs auf Kollisionskurs befindet.

Von einer Friedensfahrt weit entfernt

Wer da nicht schnell den Weg runter vom Radweg ins Gras findet, der kann leicht sehr Unangenehmes erleben. Das man ausweicht, erwartet der „Radsportler“ natürlich vom gemeinen, radfahrenden Volk, wenn es doch schon den Mut besitzt, den Radweg mit ihren popeligen Normalo-Rädern zu verstopfen, statt sich angemessen mit Wetteifer an der kollektiven Hatz zu beteiligen. Auch wenn man eigentlich nur einmal gemütlich Radfahren wollte, gerät man immer wieder in einen hitzigen Wettkampf und wird in Rivalitäten verwickelt, von denen man bis eben noch nichts ahnte. Wer nicht an einem solchen Wettbewerb interessiert ist, hat auf diesen Radwegen dann offensichtlich auch keine besonderen Rechte. Früher wurden Radsportwettbewerbe wenigstens noch angemeldet und hatten so schöne Namen wie Friedenfahrt. Doch davon ist die Realität heute leider oftmals weit enfernt.

Multiple Persönlichkeiten

Warum gerade im Sommer und auf stadtnahen Strecken immer wieder solche Wettkämpfe auftreten, bei denen die Rücksicht auf der Strecke bleibt, ist unklar – Geltungsdrang oder Alpha-Tier-Gehabe? Ersatzhandlungen als Ausgleich zum angepassten Stadtleben? Die Lebensfrage: Wer hat den größten …? Eigentlich ist der Grund auch nebensächlich, denn dort, wo Fußgänger, Radfahrer und Skater – verschiedene Menschen eben – zusammentreffen, da geht es um Sozialverhalten. So ist das eben auch auf Radwegen. Aber schon Wolfgang Schmidtbauer hat den fatalen Hang des verkehrsteilnehmenden Menschen zur multiplen Persönlichkeit festgestellt. Sobald der Mensch das Auto gegen das Fahrrad tauscht, wandelt sich sein Wesen plötzlich und er mutiert zum Zweirad-Rambo. Auf Radwegen spielen sich so Szenen ab, die auf Autostraßen einem Affront gleich kämen und vorübergehend das gesamte verkehrsgesllschaftliche Gefüge ins Wanken bringen könnten.

Asoziale Idioten

Aus psychologischer Perspektive könnte man dieses Verhalten durchaus auch als eine Art Dissoziative Identitätsstörung bewerten, aber ein Radfahrer, der wieder einmal knapp einem Frontalcrash entgangen ist, würde wohl ganz andere Worte finden und wohl einfach nur von asozialen Idioten sprechen. Wenn es diesen „Radsportlern“ wirklich nur um die Geschwindigkeit ginge, dann könnten sie gut und gerne auf richtige Straßen ausweichen. Dort würden sie weniger nerven und könnten sich sogar mit richtigen Autos messen, und die fahren in der Ortschaft meist nicht schneller als 50 Kmh. Und wer es dann doch nicht drauf hat, der kann ja in die 30er Zone spielen gehen.

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